Das Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. versteht sich als ein pädagogisch und sozial orientierter Bildungs- Lebens- und Arbeitsort, an dem Menschen leben und in ihrer persönlichen Entwicklung, ihrer beruflichen Orientierung und in ihrer sozialen Stabilisierung begleitet werden. Grundlage dieser Arbeit ist das christliche Menschenbild unseres Leitbildes und die daraus folgende Überzeugung, dass jede Person über individuelle Potenziale verfügt, die sich am besten in einem Umfeld entfalten, das Schutz, Wertschätzung, persönliche Sicherheit und Verlässlichkeit bietet. Der Träger übernimmt die Verantwortung, dieses Umfeld zu schaffen und aufrechtzuerhalten.
Das vorliegende Schutzkonzept beschreibt die Maßnahmen, Haltungen, Strukturen und Verfahren, mit denen der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. sexualisierte Gewalt aktiv verhindert, Risiken minimiert und im Verdachtsfall professionell, verantwortungsvoll und nachvollziehbar handelt. Sexualisierte Gewalt kann in allen gesellschaftlichen Bereichen vorkommen. Institutionen, die mit jungen Menschen oder Erwachsenen arbeiten, tragen daher eine besondere Verantwortung, Risiken zu erkennen und ihnen vorzubeugen.
Ein Schutzkonzept ist nicht nur ein Regelwerk, sondern Ausdruck einer Haltung. Es verpflichtet alle Mitarbeitenden, reflektiert, achtsam und verantwortungsvoll zu handeln, und definiert klare Standards für Nähe, Distanz, Kommunikation, Machtverhältnisse und professionelle Beziehungen. Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. versteht dieses Konzept als lebendigen Bestandteil der Organisationskultur. Es wird regelmäßig reflektiert, weiterentwickelt und in allen Bereichen verbindlich angewendet.
Dieses Schutzkonzept versteht sich als ein übergreifendes Trägerkonzept. Jeder Bereich des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. weist in seiner Arbeit eigene Strukturen und Besonderheiten auf. Diesen Besonderheiten wird Rechnung getragen, indem jeder Bereich des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. ein eigenes, angepasstes Schutzkonzept aufweist.
Alle Schutzkonzepte orientieren sich an fachlichen Standards der Kinder- und Jugendhilfe, der Altenhilfe, an wissenschaftlichen Erkenntnissen über sexualisierte Gewalt sowie an den inhaltlichen Empfehlungen des EKD-Programms „Hinschauen – Helfen – Handeln“ und dem Rahmenschutzkonzept der EVLKS. Das Konzept wurde in einer trägerspezifischen Fassung entwickelt, die den Strukturen, Arbeitsbereichen und Bedürfnissen des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. entspricht.
*Die einrichtungsbezogenen Schutzkonzepte der einzelnen Bereiche des DHM beinhalten neben dem Schutz vor sexualisierter Gewalt auch den Schutz vor anderen Formen der Gewalt.
Der Auftrag dieses Schutzkonzeptes umfasst:
Das Schutzkonzept gilt für alle Mitarbeitenden, Honorarkräfte, Praktikantinnen und Praktikanten, Freiwilligendienstleistenden, Kooperationspartnern und allen weiteren Personen, die im Rahmen des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. tätig sind. Es gilt in allen Räumen, Außenbereichen, Projekten und Tätigkeiten des Trägers, einschließlich außerschulischer Lernorte und Exkursionen.
Das Schutzkonzept ist ein wesentliches Element der Qualitätsentwicklung. Es schafft Rechtssicherheit, Handlungssicherheit und Verlässlichkeit. Seine Umsetzung ist nicht optional, sondern verbindlich für alle Beteiligten.
Das Schutzkonzept basiert auf einem Menschenbild, das die unveräußerliche Würde jedes Menschen anerkennt. Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. sieht in jedem Menschen eine einzigartige Persönlichkeit mit einem individuellen Lebensweg, eigenen Bedürfnissen, Grenzen, Ressourcen und Rechten. Dieses Menschenbild prägt die Haltung der Mitarbeitenden und die Gestaltung der Beziehungen.
Die Arbeit im Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. ist immer auch Beziehungsarbeit. Beziehungen zwischen Mitarbeitenden und Bewohnenden, Gästen, Kursteilnehmenden und Schülerinnen und Schülern beruhen auf Vertrauen, Verlässlichkeit, Respekt und dem Bewusstsein für Machtunterschiede. Mitarbeitende tragen Verantwortung dafür, Nähe professionell zu gestalten und niemals in persönliche Intimität übergehen zu lassen. Jede Form von Ausnutzung emotionaler, sozialer oder institutioneller Macht widerspricht dem Auftrag des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V.
Das Menschenbild des Trägers beinhaltet:
Mitarbeitende sind sich ihrer Rolle und Position bewusst. Ihre Aufgabe besteht darin, unterstützend, begleitend und strukturierend zu handeln. Sie reflektieren regelmäßig ihr eigenes Verhalten, holen sich Unterstützung, wenn sie unsicher sind, und nutzen Supervision oder kollegiale Beratung, um professionell und verantwortungsbewusst zu bleiben.
Die Institution verpflichtet sich, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Sicherheit fördern: durch klare Regeln, transparente Kommunikationswege, geeignete räumliche Bedingungen, eindeutige Rollenbeschreibungen und eine Kultur, in der Grenzverletzungen benannt und bearbeitet werden dürfen.
Das Menschenbild des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. umfasst außerdem die Anerkennung der Vielfalt menschlicher Lebensweisen, Identitäten und Orientierungen. Diskriminierung, Ausgrenzung und abwertendes Verhalten finden keinen Raum. Die Organisation versteht Vielfalt als Ressource und fördert eine Atmosphäre, in der Menschen sich anerkannt fühlen.
Zusätzlich zur allgemeinen Verantwortung des Trägers werden klare organisatorische Zuständigkeiten definiert. Der Vorstand trägt die Gesamtverantwortung für die Umsetzung und Fortschreibung des Schutzkonzeptes. Zur Koordination präventiver Maßnahmen wird mindestens eine präventionsbeauftragte Person benannt. Für Verdachts- und Krisenfälle wird ein internes Interventionsteam eingerichtet, das die strukturierte Bearbeitung von Hinweisen, die Koordination von Schutzmaßnahmen sowie die Zusammenarbeit mit externen Fachstellen sicherstellt. Die Kontaktdaten zuständiger Personen und externer Fachberatungsstellen werden in einer gesonderten Anlage dokumentiert und regelmäßig aktualisiert.
Dieses Schutzkonzept gilt ausnahmslos in allen Bereichen, Projekten und Angeboten des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. Es ist für alle Personen verbindlich, die in irgendeiner Form Verantwortung gegenüber Teilnehmenden tragen oder innerhalb der organisationalen Strukturen tätig sind. Dazu gehören:
Der Träger verpflichtet sich verbindlich dazu,
Bereichsspezifische Schutzkonzepte im Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. werden auf Basis dieses Trägerkonzeptes entwickelt und regelmäßig aktualisiert.
Ein gemeinsames Verständnis der verwendeten Begriffe ist unverzichtbar für ein wirksames Schutzkonzept. Sexualisierte Gewalt ist ein komplexes gesellschaftliches und pädagogisches Phänomen, das unterschiedliche Erscheinungsformen haben kann.
Sexualisierte Gewalt bezeichnet jede Handlung, bei der Sexualität, körperliche Intimität oder sexuelle Bedeutungen benutzt werden, um Macht auszuüben, Grenzen zu überschreiten oder Personen zu erniedrigen. Sie liegt immer dann vor, wenn die sexuelle Selbstbestimmung eines Menschen verletzt wird – unabhängig davon, ob körperlicher Kontakt stattfindet oder nicht. Sexualisierte Gewalt ist niemals ein „Missverständnis“ oder ein „Fehler“. Sie ist bewusst oder fahrlässig ausgeübte Gewalt, die sowohl körperliche als auch seelische Folgen haben kann.
Sexualisierte Gewalt umfasst ein breites Spektrum von Handlungen, unter anderem:
Grenzverletzungen unterscheiden sich von sexualisierter Gewalt. Sie können unbeabsichtigt geschehen, entstehen jedoch oft aus mangelnder Reflexion und setzten den Boden für Übergriffe. Beispiele sind unangemessene Vertraulichkeit, unreflektierte Nähe oder unprofessionelle Kommunikation.
Sexuelle Belästigung – ob körperlich oder verbal – ist eine Form sexualisierter Gewalt und in Deutschland gesetzlich verboten (§ 184i StGB).
Machtmissbrauch ist ein zentraler Mechanismus sexualisierter Gewalt. Er liegt vor, wenn eine Person ihre Position, Autorität, Erfahrung, sozialen Status oder Abhängigkeiten nutzt, um sexuelle oder emotional intime Annäherungen zu erzwingen oder zu begünstigen.
Täterinnen und Täter sexualisierter Gewalt sind nicht an äußeren Merkmalen erkennbar. Sie agieren häufig kontrolliert, strategisch und unauffällig. Typische Täterstrategien sind:
Viele Betroffene entwickeln erst spät oder gar nicht ein Bewusstsein für das Unrecht, das ihnen zugefügt wurde. Scham, Abhängigkeit, Angst oder Loyalitätskonflikte können dazu führen, dass sie sich nicht wehren oder schweigen. Daher gilt: Jede Beobachtung und jede Aussage wird ernst genommen, unabhängig davon, ob sie eindeutig erscheint oder nicht.
Ein Schutzkonzept benötigt darüber hinaus positive Definitionen: Sicherheit, Grenzen, professionelle Nähe, Transparenz und das Recht auf Unterstützung. Diese Begriffe bestimmen das professionelle Handeln im Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. und bilden den Rahmen dafür, wie Mitarbeitende Nähe gestalten, Distanz wahren, Macht verantwortungsvoll einsetzen und sensibel auf Risiken reagieren.
Eine differenzierte Risiko- und Potenzialanalyse ist Grundlage eines wirksamen Schutzkonzeptes. Sie dient dazu, institutionelle Bedingungen so zu gestalten, dass Situationen, in denen sexualisierte Gewalt entstehen kann, minimiert werden. Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. berücksichtigt hierbei sowohl die strukturellen Risiken von Bildungs- Lebens- und Arbeitsräumen als auch die besonderen Lebenslagen der ihm anvertrauten Menschen.
Risikofaktoren ergeben sich aus räumlichen, organisatorischen, personellen und pädagogischen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise:
Diese Risiken bedeuten nicht, dass Übergriffe wahrscheinlich sind, sondern dass sie besondere Achtsamkeit erfordern. Zugleich bietet jeder Arbeitsbereich Potenziale für präventive Wirkung: klare Regeln, transparente Strukturen, professionelle Nähe, stabile Beziehungen und sichere Räume.
Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. hat unterschiedliche Arbeitsfelder, die jeweils eigene Risikoprofile und ein eigenes Schutzkonzept aufweisen:
Das Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. verpflichtet sich dazu, jede Einrichtungseinheit und jeden Arbeitsbereich regelmäßig zu überprüfen und eine eigene, bereichsspezifische Risikoanalyse zu erstellen. Diese bildet die Grundlage für konkrete Schutzmaßnahmen vor Ort.
Prävention ist ein zentraler Bestandteil der Organisationskultur. Sie beginnt bei der Haltung der Mitarbeitenden und umfasst sowohl strukturelle Maßnahmen als auch die persönliche Reflexion. Prävention bedeutet, Situationen, die Risiken bergen, bewusst zu gestalten und sichere Rahmenbedingungen zu schaffen.
Zentrale präventive Grundannahmen des Trägers sind:
Präventionsprinzipien des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V.:
Prävention ist damit ein Zusammenspiel aus Haltungen, strukturellen Maßnahmen und gelebter Kultur. Sie ist die Grundlage dafür, dass sexualisierte Gewalt nicht entstehen kann und dass Menschen geschützt sind.
Der Verhaltenskodex des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. orientiert sich verbindlich am Verhaltenskodex und der Selbstverpflichtung des Rahmenschutzkonzeptes der Diakonie Sachsen und der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Die dort definierten Mindeststandards gelten ergänzend zu den trägerspezifischen Regelungen dieses Konzeptes. Alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, Praktikantinnen und Praktikanten, Honorarkräfte sowie Freiwilligendienstleistenden unterzeichnen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit eine entsprechende Selbstverpflichtungserklärung.
Alle Personen, die im Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V., sind verpflichtet, vor Tätigkeitsaufnahme ein erweitertes Führungszeugnis gemäß § 30a Bundeszentralregistergesetz vorzulegen. Die Vorlage erfolgt vor Tätigkeitsbeginn sowie anschließend regelmäßig im Abstand von fünf Jahren.
Der Verhaltenskodex ist die verbindliche Grundlage für das professionelle Handeln aller Mitarbeitenden und für alle Personen, die innerhalb des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. tätig sind. Er beschreibt die Haltung und die Verhaltensanforderungen, die notwendig sind, um Würde, Grenzen und Selbstbestimmung der Teilnehmenden zu schützen. Er ist zugleich Orientierung, Selbstverpflichtung und ein Instrument zur Herstellung von Transparenz und Verlässlichkeit.
Alle Mitarbeitenden erkennen diesen Kodex an. Er ist Bestandteil der Organisationskultur und wird regelmäßig reflektiert.
Melde- und Beschwerdewege sind unverzichtbare Bestandteile eines funktionierenden Schutzkonzeptes. Sie ermöglichen es, Hinweise ernst zu nehmen, Risiken zu erkennen und professionell zu handeln. Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. schafft Strukturen, die verständlich, niedrigschwellig und verbindlich sind.
Alle Hinweise, Vermutungen oder irritierenden Beobachtungen – unabhängig vom Verdachtsgrad – werden ernst genommen und weitergegeben. Nicht der einzelne Mitarbeitende entscheidet über die Relevanz eines Hinweises, sondern die institutionelle Struktur.
Grundprinzipien der Meldewege:
Hinweise können mündlich, schriftlich oder anonym eingehen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Beschwerden zu äußern:
Die interne Ansprechstelle – neutral bezeichnet – nimmt Hinweise entgegen, dokumentiert und koordiniert den weiteren Prozess. Sie führt keine Ermittlungen durch, sondern sorgt für Struktur, Schutz und fachliche Einschätzung.
Der Meldeprozess umfasst:
1. Entgegennahme des Hinweises
2. Prüfung akuter Schutzmaßnahmen
3. Plausibilitätsklärung
4. Entscheidung über nächste Schritte
5. Dokumentation aller Schritte
Beschwerdeverfahren schützen Hinweisgebende vor Sanktionen. Niemand muss Nachteile befürchten, wenn er oder sie einen Verdacht meldet.
Betroffene sowie Personen, gegen die ein Verdacht besteht, werden geschützt behandelt. Die Organisation sorgt für Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, vermeidet Stigmatisierung und kommuniziert nur das, was fachlich notwendig ist.
Meldewege werden regelmäßig überprüft und in der Organisation sichtbar kommuniziert.
In der Anlage befindet sich ein einrichtungsübergreifender Notfallplan als Handlungsanleitung im Bedarfsfall. Dieser ist anzuwenden, wenn es keinen eigenen, einrichtungsspezifischen Handlungsleitfaden gibt.
Die Intervention im Verdachtsfall sexualisierter Gewalt ist ein hochsensibler Prozess. Er erfordert Ruhe, Struktur, Klarheit und ein abgestimmtes Vorgehen. Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. folgt dabei fachlichen Standards und orientiert sich methodisch an den EKD-Empfehlungen, in eigener trägerspezifischer Umsetzung.
Intervention beginnt immer mit einem Hinweis – nicht erst mit Gewissheit. Mitarbeitende bewerten Hinweise nicht selbst, sondern geben sie weiter. Sie nehmen Aussagen ernst, hören zu, vermeiden suggestive Fragen und dokumentieren.
Die fünf zentralen Schritte der Intervention:
1. Ernst nehmen
Signale, Aussagen, Beobachtungen und Bauchgefühle werden ernst genommen.
2. Ruhig bleiben
Keine Vorwürfe, kein Druck, keine Bewertungen.
3. Nichts versprechen, was nicht haltbar ist
Z. B. „Ich sage es niemandem weiter“ – das ist unzulässig.
4. Sofort weitergeben
An die interne Ansprechstelle. Keine eigenen Ermittlungen.
5. Täter-Opfer-Kontakt verhindern
Sichtschutz, räumliche Trennung, organisatorische Schritte.
Aufgaben der internen Ansprechstelle:
Intervention bedeutet immer Schutz der Betroffenen. Gespräche mit Betroffenen finden behutsam statt.
Bei Verdacht gegen Mitarbeitende wird fair, aber konsequent vorgegangen. Maßnahmen erfolgen verhältnismäßig und ohne Vorverurteilung, können aber eine vorläufige Freistellung umfassen, wenn es der Schutz erfordert.
Externe Stellen können hinzugezogen werden, z. B.:
Der gesamte Prozess wird dokumentiert. Jede Maßnahme, jedes Gespräch, jede Entscheidung wird nachvollziehbar festgehalten.
Im Bedarfsfall wird im Träger ein ad hoc Kriseninterventionsteam gebildet, welches sich aus geschulten Mitarbeitenden zusammensetzt. Dieses Kriseninterventionsteam unterstützt Vorstand, Einrichtungsleitungen und Mitarbeitende bei der Bewältigung der Krisensituation.
Intervention endet nicht mit der Klärung, sondern mit der Nachsorge und Aufarbeitung – siehe Kapitel 10.
Nicht jeder Verdacht bestätigt sich. Wird ein Verdacht nach fachlicher Prüfung ausgeräumt, trägt der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. Verantwortung dafür, die betroffene Person vor dauerhaften negativen Folgen zu schützen und ihre berufliche Handlungsfähigkeit wiederherzustellen. Die Rehabilitierung umfasst insbesondere die transparente Aufklärung des Sachverhaltes, die Unterbindung weiterer Gerüchte oder Verdächtigungen, unterstützende Gespräche, gegebenenfalls Supervision sowie eine sensible Kommunikation gegenüber Mitarbeitenden und Beteiligten.
Die Verantwortung des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. endet nicht mit der Intervention. Sexualisierte Gewalt – sei sie erwiesen, vermutet oder ungeklärt – hat immer Auswirkungen auf Betroffene, auf Mitarbeitende, auf Gruppenprozesse und auf die institutionelle Kultur. Nachsorge und Aufarbeitung sind daher essenzielle Bestandteile eines vollständigen Schutzprozesses.
Nachsorge beginnt unmittelbar nach der ersten Intervention. Betroffene Menschen benötigen Stabilisierung, Orientierung und Sicherheit. Sie brauchen klare Informationen darüber, was als Nächstes passiert, welche Rechte sie haben und wie sie Unterstützung erhalten können. Niemand wird gedrängt, sich weiter zu äußern oder belastende Erinnerungen erneut zu schildern. Gesprächsangebote sind niedrigschwellig, freiwillig und entlastend.
Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. stellt sicher, dass Betroffene:
Die Aufgabe der Mitarbeitenden besteht darin, zuzuhören, Orientierung zu geben und Sicherheit zu vermitteln. Emotionale Stabilität ist wichtiger als die Rekonstruktion des Vorfalls.
Auch Mitarbeitende benötigen Nachsorge. Der Umgang mit sexualisierter Gewalt kann hoch belastend sein. Die Produktion von Schuldgefühlen, Scham, Ohnmacht oder Verunsicherung ist keine Seltenheit. Die Organisation ermöglicht daher:
Personen, gegen die ein Verdacht besteht, werden respektvoll behandelt – ohne Vorverurteilung. Sie erhalten transparente Informationen über das Verfahren, haben die Möglichkeit, eine Vertrauensperson hinzuzuziehen und werden im Rahmen der gesetzlichen und institutionellen Vorgaben begleitet. Wenn sich der Verdacht nicht bestätigt, trägt die Institution Verantwortung dafür, dass die Person wieder in ihre Rolle zurückkehren kann. Wenn sich der Verdacht bestätigt, folgt ein klar strukturiertes, arbeitsrechtliches und strafrechtlich sauberes Vorgehen.
Aufarbeitung ist ein eigenständiger Prozess. Sie umfasst:
Aufarbeitung ist kein Schuldzuweisungsprozess, sondern eine Lernbewegung der Organisation. Sie zeigt, wo Prävention verbessert, wo Abläufe geschärft und wo Strukturen verändert werden müssen.
Aufarbeitung kann – wenn Betroffene dies wünschen – unter ihrer Beteiligung geschehen. Sie ist niemals verpflichtend. Das Wohl und die Stabilität der betroffenen Person stehen immer im Vordergrund.
Nachsorge endet nicht nach Tagen oder Wochen. Sexualisierte Gewalt kann langfristige Folgen haben. Die Organisation bleibt aufmerksam, begleitet weiter und bietet Unterstützung an, ohne sich aufzudrängen.
Mit diesem Verständnis stellt der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. sicher, dass Intervention nicht nur eine reaktive Maßnahme, sondern ein Element einer umfassenden Verantwortungskultur ist. Nachsorge und Aufarbeitung stärken die ganze Einrichtung und tragen zu nachhaltiger Prävention bei.
Die Umsetzung dieses Schutzkonzeptes erfordert klare Verantwortlichkeiten und eine feste strukturelle Verankerung innerhalb der Organisation. Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist eine gemeinsame Aufgabe aller Mitarbeitenden, doch die Gesamtverantwortung liegt bei der Bereichsleitung und dem Vorstand. Sie sorgen dafür, dass die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ein konsequentes, wirksames und nachhaltiges Arbeiten ermöglichen.
Die Leitung trägt die Verantwortung dafür, dass alle Mitarbeitenden mit den Inhalten des Schutzkonzeptes vertraut sind. Neue Mitarbeitende erhalten es im Rahmen ihrer Einarbeitung. Bestehende Mitarbeitende werden regelmäßig geschult und über Aktualisierungen informiert. Die Leitung stellt sicher, dass ausreichend Zeit und Ressourcen zur Verfügung stehen, um präventive und interventionistische Maßnahmen umzusetzen.
Eine zentrale Rolle spielt die interne Ansprechstelle, deren Bezeichnung neutral gehalten ist, um unabhängig von Personen dauerhaft in die Struktur integriert zu sein. Die Leitung stellt sicher, dass diese Stelle fachlich geschult, unabhängig genug und organisatorisch befähigt ist, ihre Aufgaben wahrzunehmen.
Qualitätssicherung bedeutet, das Schutzkonzept nicht nur einzuführen, sondern kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dazu gehören:
Dokumentation ist ein zentrales Instrument der Qualitätssicherung. Alle Schritte der Intervention, Prävention und Nachsorge werden schriftlich festgehalten. Die Leitung sorgt für datenschutzkonforme Ablage und klare Zugriffsrechte.
Externe Fachstellen unterstützen die Qualitätssicherung. Kooperationen mit Kinderschutzdiensten, Beratungsstellen oder Fachgremien ermöglichen es, komplexe Situationen professionell einzuordnen und weiterzuentwickeln.
Die Leitung verpflichtet sich, das Schutzkonzept nicht nur formal umzusetzen, sondern aktiv vorzuleben. Schutz vor sexualisierter Gewalt ist kein „Zusatzthema“, sondern integraler Bestandteil der Organisationsidentität.
Ein Schutzkonzept ist nur dann wirksam, wenn es regelmäßig überprüft, reflektiert und weiterentwickelt wird. Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. versteht dieses Konzept als dynamisches Dokument, das an neue Erkenntnisse, veränderte Bedingungen und Erfahrungen aus der Praxis angepasst werden muss.
Die Implementierung beginnt bereits bei der Einführung:
Evaluation erfolgt in festen Abständen, die der Träger definiert. Sie umfasst:
Diese Evaluation ist kein rein administrativer Vorgang, sondern eine fachliche Reflexion: Was funktioniert gut? Wo besteht Entwicklungsbedarf? Was muss angepasst werden?
Mitarbeitende sind aktiv in den Prozess eingebunden, denn sie erleben die Herausforderungen des Alltags unmittelbar. Ihre Beobachtungen sind unverzichtbar. Sie können Hindernisse benennen, strukturelle Schwachstellen aufzeigen und praxisnahe Verbesserungen anregen.
Die Adressaten der Arbeit des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. können – sofern verantwortbar und freiwillig – ebenfalls Rückmeldungen geben. Ihre Perspektive ist besonders wichtig, da sie die Schutzräume direkt erfahren.
Die Weiterentwicklung des Schutzkonzeptes umfasst:
Nach jedem tatsächlichen Vorfall erfolgt eine zusätzliche anlassbezogene Evaluation. Aus solchen Situationen lernt die Organisation besonders viel: Welche Strukturen haben geschützt? Welche haben geschwächt? Was müssen wir ändern?
Evaluation endet mit einer transparenten Dokumentation und der Weitergabe an alle Mitarbeitenden.
Die Implementierung ist ein Prozess, der niemals abgeschlossen ist. Eine Organisation, die ihre Strukturen reflektiert, ihre Mitarbeitenden stärkt und ihre Schutzmaßnahmen kontinuierlich weiterentwickelt, bleibt ein sicherer Ort.
Der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V. verpflichtet sich, dieses Schutzkonzept dauerhaft zu pflegen, zu stärken und weiterzuentwickeln – zum Wohl aller Menschen, die in ihr lernen, arbeiten und leben.
Dieses Schutzkonzept ist Ausdruck der Haltung des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V.:
Menschen haben ein Recht auf Schutz, Respekt, Würde und Sicherheit.
Mit der konsequenten Anwendung dieses Schutzkonzeptes verpflichtet sich die Organisation, einen sicheren Ort zu schaffen – heute und in Zukunft.
Das Schutzkonzept mit seinen Anlagen tritt am 03.09.2026 in Kraft.
siehe Ansprechpartner der Einrichtungen
sarah.zehme@diakonenhaus-moritzburg.de
david.meis@diakonenhaus-moritzburg.de
mav@diakonenhaus-moritzburg.de
mav.sz@seniorenzentrum-moritzburg.de
1. Ich verpflichte mich, bei meiner Tätigkeit im Bereich der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens darauf zu achten, dass keine Grenzverletzungen verbaler und körperlicher Art und keine sexualisierte oder körperliche Gewalt stattfinden können.
2. Ich unterlasse abwertendes, diskriminierendes, sexistisches und gewalttätiges verbales und nonverbales Verhalten. Ich achte darauf, dass auch andere Personen sich entsprechend verhalten.
3. Ich achte das Nahe- und Distanzempfinden meines Gegenubers, besonders die persönliche Intimsphäre und die persönlichen Grenzen der Scham. Ich nehme diese Grenzen bewusst wahr und respektiere sie.
4. Bei meiner Tätigkeit gestalte ich Beziehungen zu anderen Menschen transparent und mit positiver Zuwendung und einem verantwortungsbewussten Umgang mit Nähe und Distanz.
5. Mir anvertraute Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Erwachsene will ich vor körperlichem und seelischem Schaden, Missbrauch jeder Art und Gewalt schützen.
6. Mir ist bewusst, dass in der Kirche und Diakonie besondere Vertrauensverhältnisse bestehen, die zu Abhängigkeit und Machtausübung führen können. Besonders anfällig sind die Beziehungen zu Minderjährigen und anderen Personen in Abhängigkeitsverhältnissen sowie Seelsorge-, Beratungs- und Dienstverhältnisse.
7. Sexuelle Kontakte zu Personen innerhalb einer Seelsorge- und Vertrauensbeziehung sind mit dem kirchlichen Schutzauftrag unvereinbar und daher unzulässig.
8. In keinem Fall werde ich meine Stellung ausnutzen zur Befriedigung meiner Bedürfnisse, für Grenzüberschreitungen oder für sexuelle Kontakte zu den mir anvertrauten Menschen.
9. Grenzüberschreitungen durch andere Personen nehme ich nicht hin. Ich spreche sie an und weiß, wo ich fachliche Unterstützung und Hilfe finde und an welche Verantwortliche ich mich wenden kann.
10. Ich bin im Rahmen einer Schulung zu diesem Verhaltenskodex auf die Regeln zum Umgang miteinander und besonders mit Schutzbefohlenen und meine Pflichten hingewiesen worden. Mir ist bewusst, dass ein Verstoß disziplinarische, arbeitsrechtliche und gegebenenfalls strafrechtliche Folgen haben kann.
Ich versichere, dass ich nicht wegen einer Straftat rechtskräftig verurteilt bin, die zu einem Einstellungs- und Tätigkeitsausschluss nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 der Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Schutz vor sexualisierter Gewalt vom 18. Oktober 2019 fuhrt.
Ich versichere, dass gegen mich derzeit weder ein gerichtliches Verfahren noch ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren wegen einer solchen Straftat anhängig ist.
Ich verpflichte mich, meinem Dienstgeber regelmäßig im Abstand von 5 Jahren ein Erweitertes Führungszeugnis gemäß § 30a Bundeszentralregistergesetz vorzulegen. Dies gilt für alle Personen, die mit wiederkehrenden Tätigkeiten in den Kontexten des Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg Verantwortung übernehmen oder mitwirken – unabhängig davon, ob sie haupt- oder ehrenamtlich tätig sind, eine Dienststelle innehaben oder nicht (z. B. auch Rentner:innen, Studierende, externe Referent:innen).
Die Vorlage des Führungszeugnisses kann entweder am Diakonenhaus (Vorstand bzw. durch ihn beauftragte Stelle) oder, sofern vorhanden, bei der eigenen Dienststelle erfolgen.
Ich verpflichte mich, dem Verhaltenskodex zu entsprechen.
Stand: 03.09.2026
Mitglied im Verbund der: